Luftfahrtdichtstoffe im Überblick: Unterschiede, Einsatzbereiche und Anwendungen

Im letzten Beitrag ging es allgemein darum, wofür Dichtstoff eingesetzt wird. Jetzt zur Praxis: Dichtstoffe werden in die Klassen A, B und C eingeteilt. Der Buchstabe beschreibt dabei die Viskosität des Materials und die Art der Applikation – nicht seine chemische Zusammensetzung. Das ist eine separate Frage, die wir im nächsten Leitfaden behandeln.
Warum ist der Buchstabe wichtig? Weil ein Dichtstoff mit der perfekten Chemie für eine Anwendung trotzdem nutzlos ist, wenn er sich mit den verfügbaren Werkzeugen nicht korrekt in der vorgesehenen Fügezone applizieren lässt.

Infografik, die die verschiedenen Arten von Dichtstoffen nach ihrem Verwendungszweck zeigt.

Klasse A – mit dem Pinsel auftragbar

Klasse A ist dünnflüssig genug für den Auftrag mit dem Pinsel. Sie wird an Köpfen von Verbindungselementen, kleinen Spalten und für Ausbesserungen eingesetzt – überall dort, wo eine dicke Dichtstoffraupe überdimensioniert oder von Hand schwer zu kontrollieren wäre. Sie härtet tendenziell schneller aus als die höher viskosen Klassen und eignet sich deshalb für einfache Arbeiten mit hoher Taktzahl in der Produktion.

Klasse B – Injektionsabdichtung und Dichtstoffraupe

Klasse B ist viskoser und wird üblicherweise mit einer Auspresspistole und einer Düse statt mit dem Pinsel aufgetragen. Sie wird häufig für korrosionshemmende Abdichtungen um Verbindungselemente und Beschläge eingesetzt, wenn die Raupe ihre Form halten muss, statt die Oberfläche nur zu benetzen.

Klasse C – Abdichtung zwischen Fügeflächen

Die Viskosität liegt zwischen Klasse A und B. Der Einsatzbereich ist die Abdichtung zwischen zwei Fügeflächen vor dem Zusammenbau, sodass sich der Dichtstoff beim Fügen der Bauteile verdichtet und verteilt.

Nicht mit der Chemie verwechseln

Gerade neue Ingenieurinnen und Ingenieure verwechseln diese beiden Ebenen häufig: Klasse A/B/C beschreibt Viskosität und Applikationsart. Polysulfid, Polyurethan, Silikon oder Fluorsilikon beschreiben die Chemie und damit unter anderem die Beständigkeit gegen Kraftstoff, Wärme oder UV-Strahlung. Eine Spezifikation nennt beides. Ein Zweikomponenten-Polysulfid kann beispielsweise je nach Einsatzort am Flugzeug in Klasse A, B oder C vorliegen.

Selbst wenn die Chemie stimmt, bleibt eine falsche Klasse – oder umgekehrt – ein Problem. Der Dichtstoff kann gegen alle erforderlichen Medien und Belastungen beständig sein und sich trotzdem nicht korrekt in der betreffenden Fügezone verarbeiten lassen.

Nahaufnahme einer blauen Dichtstoffdüse, die grauen Luftfahrtdichtstoff auf eine Flugzeugniete auf einer Metallplatte aufträgt und so eine präzise Abdichtung der Flugzeugbefestigungselemente gewährleistet.

Die richtige Klasse auswählen

Drei Fragen führen in der Regel zur richtigen Auswahl:

  • Wie wird appliziert – mit dem Pinsel, mit einer Pistole oder durch Verpressen zwischen zwei Fügeflächen?
  • Wie sieht die Geometrie aus – kleines Verbindungselement oder lange strukturelle Fuge?
  • Wie hoch ist das Produktionsvolumen? Die schnellere Aushärtung von Klasse A eignet sich für Arbeiten an Verbindungselementen mit hoher Taktzahl; Klasse B und C kommen häufiger bei langsameren, kontrollierteren strukturellen Abdichtprozessen zum Einsatz.

Noch ein wichtiger Punkt: Auch mit der richtigen Klasse ist eine für diese Viskosität ungeeignete Düse oder Pistole eine häufige Ursache für inkonsistente Abdichtungen in der Produktion. Mehr dazu in unserem Leitfaden zum Applikationswerkzeug.